AIDA CARA / OSTSEE-KREUZFAHRT



Es ist durchaus möglich, von Sachsen aus, mal schnell zum Baden an die Ostsee zu fahren. Auf jeden Fall ist man kurz nach dem Mittag im Wasser – hurra! Noch schöner ist es, in Warnemünde anzukommen mit der Gewißheit, in wenigen Stunden zu den Passagieren der schönen AIDA Cara zu gehören. Gönnen Sie sich das!
Natürlich sind wir aus zuletzt genanntem Grunde an die Küste gefahren. Uns sollte mitten im Juni an den längsten Tages des Jahres, eine erlebnisreiche Ostseekreuzfahrt zu den wichtigsten Städten bevorstehen


Kaum daß wir an Bord waren, kamen wir uns schon wie zu Hause vor. Es lag wohl an der Übersichtlichkeit des Schiffes mit Platz für 1200 Passagiere. Noch am selben Tag bzw. Abend hatten wir uns den nötigen Überblick verschafft und konnten uns ganz locker an Gesprächen beteiligen, die hauptsächlich mit den Erfahrungen auf anderen AIDA-Schiffen zu tun hatten. Waren wir hier in eine große Familie geraten? Wichtige Neuigkeiten, wie zum Beispiel das nötige Umstellen der Uhr um eine Stunde, war bei einem derartigen Kommunikationsdrang unserer Mitreisenden garantiert nicht zu verpassen.
Dieser Trubel machte den Anschein, daß alle Gäste mit freudiger Erwartung auf das Schiff gekommen waren und nur eines wollten: Einen schönen Urlaub verbringen. Ich war mir sehr sicher: Hier gehörten wir unbedingt dazu! Mit unserer Außenkabine „mit Sichtbehinderung“ hatten wir Glück. Unser Ausblick halbierte sich durch die vor unserem Fenster schräg nach oben verlaufenden Bordwand. Die Kabinenausstattung ließ nichts zu wünschen übrig: Sie war groß genug, solide ausgestattet und farbenfroh.

Der erste Seetag war ein Volltreffer: Aalglatte Ostsee, kein Lüftchen wehte und einen ganz scharfen Horizont bot uns die Ostsee, von den damit verbundenen kräftigen Farben ganz zu schweigen. Wir waren unterwegs nach Tallin, als wir am nächsten Morgen uns zum Frühstück auf dem Achterdeck niederließen. Zugegeben, das kulinarische Angebot war riesengroß und nur die nötige Selbstdisziplin rettete uns vor übermäßigen Portionen. Wir konnten uns außer beim Essen auch bei den Getränken ganz unbefangen bedienen. Es gab die gewöhnlichen Getränke zum Frühstück und tagsüber waren die Limonaden, Säfte und auch Wasser ständig zugänglich. Abends konnten wir uns am Bier-Zapfhahn bedienen und die Servicekräfte stellten Rot- und Weißwein bereit. Schnell hatten wir uns von den verschiedenen Restaurants eines zum Favoriten erklärt und waren meist dort anzutreffen. Das hatte den Vorteil, daß man sich schneller wieder fand, wenn sich gemeinsam Reisendende mal aus den Augen verloren hatten und eigentlich gemeinsam essen gehen wollten. Ansonsten half in solchen Fällen ein hinterlassenes Zettelchen in der Kabine für den Mitreisenden. Das war eine nette Geste untereinander und schonte die Handygebühren.


In Tallin eroberten wir den Rathausturm und schauten uns die Stadt, nein eher die Touristen-Gruppen, von oben an. Auf dem Markt traf sich die Welt und die Einheimischen nahmen das alles ziemlich freundlich-gelassen hin. Ganz in der Nähe konnten wir den imposanten Olympia-Segel-Hafen von 1980 besichtigen, der eher einen verlassenen Eindruck machte.

Verflixt, die Einfahrt nach St. Petersburg am nächsten Morgen hatten wir verschlafen! Also war Tallin doch anstrengend gewesen ;-) ? Es ist schon so – Kreuzfahrten sind sehr ereignisreich wenn man sich auf dem Schiff und an Land interessiert umschaut; mir geht es jedenfalls so. Unsere AIDA Cara machte mitten in St. Petersburg, etwa 1km vor der ersten Brücke fest. War das ein grandioser Liegeplatz! Die ganze Stadt hatten wir als Panorama vor uns liegen. Zwei weiße Nächte standen uns bevor. Bei unserem Ausflug mit Spaziergang durch die Stadt, fanden wir uns in der Nähe von Denkmälern inmitten von Hochzeitsgesellschaften wieder. Wir zückten die Kameras am Newski Prospekt, am Panzerkreuzer Aurora und am Winterpalast. Es war wunderbar, zu Fuß mit unserem Reiseleiter unterwegs zu sein! So waren wir viel näher am Geschehen dran.
Die Fahrt aus der Stadt heraus auf der Newa ließen wir uns dieses Mal als Beobachter an der Reling nicht entgehen! Beim Verlassen des Hafens bemerkten wir das imposante, in Stein gehauene „Ortseingangsschild“ in kyrillischen Buchstaben: Leningrad. War das eine tolle Vorstellung, die uns diese schöne Stadt geboten hatte! Unser Schubboot drehte zur Verabschiedung eine Extrarunde um sich selbst und so wurden wir ins weite Meer verabschiedet.


Nach der Passage von Kronstadt hatten wir es schon nicht mehr weit nach Helsinki. Dieses Mal wollten wir die Einfahrt aber live erleben und ergatterten ein nettes Plätzchen zum Frühstück auf dem Deck und verpaßten wirklich nichts. Was gibt es Schöneres als auf Reisen eine Stadt an einem Sonntag zu erleben. Sie ist praktisch im Ausnahmezustand! Es gibt Märkte, fröhlich gestimmte Einwohner, es wird gefeiert, gebummelt, gefaulenzt. Helsinki zeigte sich von der schönsten Seite und wir waren mittendrin.
Zum Ausruhen vom Fußmarsch hatten wir auf dem Schiff dann immer noch Zeit genug. Je eine Massage hatten wir angemeldet, machten beim Yoga mit und ließen uns in der Sauna nieder. Das Wetter war inzwischen hochsommerlich warm, sodaß wir es uns im Pool an Deck und im Whirlpool richtig gut gehen lassen konnten. Auf jeder Ebene gab es ausreichend Liegen und wenn wir uns dann noch einen erfrischenden Cocktail bringen ließen, war das Urlaubs-Faulenz-Feeling komplett. Schon längst waren wir wieder auf hoher See in Richtung Stockholm unterwegs. Alle Mitreisenden waren sehr offen für Gespräche über AIDA oder über Gott und die Welt. Diesen Clubcharakter empfanden wir als sehr entspannend. Wer es rugiger mochte, fand selbstverständlich auch sein Plätzchen.
Sagte ich nicht, Kreuzfahrten sind wiederum auch anstrengend? Na klar, nun wollten wir auch die Einfahrt nach Stockholm erleben. Das bedeutete frühmorgens um 4 Uhr an Deck zu sein. Der Lotse war hier in diesem dichten Schärengarten schon ab 3 Uhr an Bord. Einige wenige Mitreisende hatten die gleiche Idee und stellten seltsame Dinge fest: Es riecht nach Wald – und das auf einem Schiff!
Noch andere schöne Erlebnisse hatten wir auf Gotland (z.B. ein langer Spaziergang am Strand), bei der Umrundung von Bornholm (wir erkannten unseren Strand vom letzten Jahr!) und nach dem Besuch von Gdansk hatten wir einen entspannten Seetag vor der Insel Rügen. Mögen die Ostseeurlauber an den Stränden von Binz, Sellin, Saßnitz und Kap Arkona neidisch auf die auf der Ostsee schwimmenden AIDA mit dem Kußmund geschaut haben: WIR waren die Passagiere auf dem schönen Schiff und hatten es keine Minute auf unserer 10-tägigen Reise bereut.


Schiffsdaten
Bauwerft: KVAERNER MASA-YARDS, Finnland
Indienststellung: 1996, Umbau 2005
Länge: 193,3 m
Breite: 27,6 m
Vermessung; 38.557 GT
Tiefgang: 6 m
Anzahl der Decks: 11

Technische Daten
Antrieb: Diesel mechanisch
Antriebsleistung: 21.720 kW
Geschwindigkeit: 20 kn

Öffentliche Bereiche
Passagierkabinen: 590
Restaurants: 3
Restaurantfläche: 2.350 m²
Bars: 5
Fläche der Sonnendecks: 2.950 m²
Besatzungsstärke: 369

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